Literaturpreise

#debütpreisbloggen: Die Gewinnerin, meine Punktevergabe und der Live Talk zum Preis

Viele schöne Lesestunden habe ich mit den nominierten Debütromanen verbringen dürfen.

And the winner is…

Streulicht von Deniz Ohde

“Auch mein Gesicht verändert sich am Ortsschild, versteinert zu dem Ausdruck, den mein Vater mir beigebracht hat und mit dem er noch immer selbst durch die Straßen geht. Eine ängstliche Teilnahmslosigkeit, die bewirken soll, dass man mich übersieht.”

Herzlichen Glückwunsch an Deniz Ohde zu diesem außergewöhnlich gelungenem Debüt und alles Gute für den weiteren literarischen und sonstigen Lebensweg!

Meine Punktevergabe

Als Jurymitglied von Das Debüt 2020 habe ich alle fünf nominierten Romane gelesen und sie bewertet. Hier erfahrt ihr nun meine persönliche Punktevergabe und die Begründung meines Rankings:

Mein Platz 1:

Elijas Lied von Amanda Lasker-Berlin

Meine Jurybegründung:

Ein feinfühliger und nuancierter Roman, der aus einer einfachen Wanderung etwas macht, das so viel mehr ist. Vielschichtig und vielstimmig thematisiert er gesellschaftlich hoch relevante Themen wie Diskriminierung und Ausgrenzung, Einsamkeit und Selbstakzeptanz. Amanda Lasker-Berlin verortet den Roman in einem minimalistischen Setting, das dazu führt, dass man sehr tief in die Figuren eintaucht und sie von innen heraus wahrnimmt. Und je leiser sie sprechen, desto lauter hallt es wider. Ein Debüt, das mich gefesselt, bestürzt und begeistert hat!

Lest euch hier meine Rezension zum Roman durch!

Mein Platz 2:

Streulicht von Deniz Ohde

Meine Jurybegründung:

Ein Roman, der zeigt, wie tief unsere Herkunft in unseren Lebensweg einschneidet und wie schwer es ist, Ungleichheiten zu überwinden. Man fühlt und leidet mit der Ich-Erzählerin mit und wünscht sich, sie würde endlich einmal lautstark protestieren, gleichzeitig fällt einem ein, wie schwierig und aussichtslos das in ihrer Situation auf sie wirken muss. “Streulicht” beschreibt Licht, das durch Grenzen und Barrieren gebrochen und geteilt wird und so wie das Sonnenlicht im Heimatort der Ich-Erzählerin von den Abgasen und dem Staub der Fabriken tausendfach gebrochen wird, so wird auch die junge Frau von zahlreichen Barrieren und Grenzen aus der Bahn geworfen.

Lest euch hier meine Rezension zum Roman durch!

Mein Platz 3:

Hawaii von Cihan Acar

Meine Jurybegründung:

Ohne Abschluss keinen Neuanfang und so ist Kemal gefangen in einer Zeit der Vergangenheit. Er hängt seinen geplatzten Träumen hinterher und lebt an der Gegenwart vorbei. Dieser luftleere Raum zwischen einer Vergangenheit, die man nicht hinter sich lassen kann und einer Zukunft, die noch in zu weiter Ferne ist, entfaltet sich in Cihan Acars Debütroman auf eine Art, die wirkt und doch eher unterschwellig mitschwingt. Der Protagonist ist still und der Roman beginnt langsam, lässt dem Lesenden Raum zum Ankommen. Ich war bei Kemal, hab mit ihm gefühlt und ihn ein Wochenende auf seinem Weg begleitet, wohin auch immer der führt… Das „laute“ Ende hätte es nicht gebraucht, zu mir sprach der Roman in der Stille lauter.

Lest euch hier meine Rezension zum Roman durch!

Auf der Webseite von Das Debüt findet ihr übrigens Ausschnitte von den Begründungen aller Jurymitglieder zu den einzelnen Romanen. Schaut vorbei!

Der Live Talk zum Preis mit Sabine Gelsing

Nach der Gewinnerverkündung habe ich mich dann abends mit meiner Mitjurorin Sabine Gelsing über den Preis, die nominierten Roman und unsere persönlichen Favoriten unterhalten. Wir sind alle fünf Finalbücher noch einmal durchgegangen und haben Stärken und Schwächen der Debüts besprochen. Ein schöner und interessanter Abend, den wir hoffentlich im nächsten Jahr wiederholen können. Das komplette Gespräch von Sabine und mir ist aufgenommen und hier zu finden:

Das Debüt 2020: Der Live Talk mit Sabine und Sandra

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