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5 Fragen an Autor und Literaturstipendiat Martin Knuth

Mit feinem Humor und scharfen zwischenmenschlichen Beobachtungen schafft Martin Knuth in seinem Erzählband „Zwischenhalt Erde“ ein buntes Poesiealbum an Alltäglichem aus der Perspektive des Besonderen. Meine ausführliche Rezension findet ihr unter der Themenwoche „Kurzgeschichten„.

Autorenporträt

„Es ist hilfreich, immer das Schlechteste von seinen Mitmenschen zu denken“, antwortet Martin Knuth in einem Interview auf die Frage, wo ihm die Ideen für seine Geschichten begegneten. 1984 in Görlitz geboren, geht er für den Zivildienst nach Leipzig, studiert Philosophie und Literaturwissenschaft in Jena und Krakau. 2010 ist er Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen und Gewinner des poet|bewegt-Literaturwettbewerbs in der Kategorie Prosa. Einige Jahre lang lebt er in einer Kommune, es folgen der Uni-Abschluss, verschiedene Tätigkeiten und ein unfertig gebliebener Roman. 2019 erhält er das Stipendium Raniser Debüt, über das er im Jahr darauf den Erzählband Zwischenhalt Erde veröffentlicht. Martin Knuth lebt in Jena.

Autor und Literaturstipendiat Martin Knuth

5 Fragen an Martin Knuth

1. Wie ist dein Erzählband entstanden? Warum hast du diese literarische Form gewählt?

Ich schrieb schon seit einer Weile an einem Roman, der aber kein Ende nehmen wollte. Irgendwann versuchte ich mich an einer Kurzgeschichte und das klappte ganz gut. Also machte ich damit weiter. Ich bewarb mich mit ein paar kürzeren Texten um das Stipendium Raniser Debüt, das ich tatsächlich gewann. Spätestens zu dem Zeitpunkt war für mich klar, dass ich einen Erzählband schreiben würde.

Das Verfassen von Kurzgeschichten und Erzählungen hat gegenüber dem Romanschreiben eine Menge Vorteile: Man wird (schneller) fertig, kann eine Vielzahl an Plots und Figuren entwickeln, ohne befürchten zu müssen, am Ende die Fäden nicht mehr zusammen zu bekommen. In keiner anderen literarischen Form hat man so viele Freiheiten wie in der Kurzgeschichte. Man kann einfach über alles schreiben.

2. Was macht das Schreiben mit dir und hat die aktuelle Corona-Pandemie dein Schreiben beeinflusst?

Schreiben ist ja eine recht asoziale Tätigkeit. Man brütet allein über seinen Texten, lebt in einer Fantasiewelt und denkt über Menschen nach, die es nicht gibt. Damit erfüllt man sicher einige Kriterien für eine ernste Erkrankung nach ICD-10. Früher hatte ich manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich wegen des Schreibens wochenlang nicht am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilgenommen habe. Jetzt muss ich mich dafür nicht mehr entschuldigen, denn es gibt ja nichts, wohin man gehen könnte. Aber natürlich vermisse ich Kinobesuche, Lesungen, und Konzerte, denn nach jeder Phase des intensiven Schreibens bin ich ganz ausgehungert nach sozialen Kontakten und Party. 

3. Hast du bestimmte Schreiborte oder Schreibrituale?

Am liebsten schreibe ich da, wo es weder zu einsam, noch zu voll ist. Die Arkaden des Uni-Innenhofs in Jena sind so ein Ort. Es gibt da Tische und Steckdosen und gleich nebenan befindet sich eine Cafeteria. Im Winter ist es draußen zu kalt, aber sobald die Temperaturen steigen, werde ich wieder dort sein.

Ich habe mir angewöhnt, schreibend in den Tag zu starten. Ich beginne mit Stream-of-consciousness-Übungen und versuche dann, schreibend zu meinem Thema zu finden. Auf diese Weise habe ich nie das Problem, vor einem weißen Blatt Papier oder einem leeren Bildschirm zu sitzen.

4. Du hast deinen Erzählband ja im Rahmen eines Schreib-Stipendiums geschrieben. Wie kommt man als Autor*in an ein Stipendium und inwiefern hilft es dir beim Schreiben?

Für das Stipendium habe ich mich mit einem Exposé und mit einer Arbeitsprobe beworben. Das ist bei den meisten Stipendien der übliche Weg. Das Raniser Debüt richtet sich an alle, die eine Erstveröffentlichung planen. Einmalig an diesem Stipendium ist, dass man nach neun Monaten tatsächlich ein Buch auf die Welt bringt. Allein das ist schon eine starke Motivation. Und dann ist da noch der Lektor Helge Pfannenschmidt, der einem wie eine literarische Hebamme dabei hilft, nicht die Übersicht zu verlieren und am Ende ein vollwertiges Manuskript abzuliefern. Wichtig für mich waren und sind aber auch meine Schreibgruppen in Leipzig und Jena, wo wir regelmäßig im kleinen Kreis eigene Texte besprechen.

5. In deiner Erzählung „Südlich der Katalaunischen Felder“ geht es um einen Autor, der seiner Freundin einen Satz von Dorothy Parker zitiert: „I hate writing. I love having written.“. Kannst du dich damit identifizieren?

Das ist natürlich eine Zuspitzung, aber in Teilen stimme ich dem Zitat zu. Es gibt die Phase der Ideenfindung, in der ich unglaublich viel Spaß habe. Dann kommt die harte, oft auch zähe Schreibarbeit. Und wenn ich irgendwann genug Kaffee getrunken, Selbstgespräche geführt und geweint habe, gibt es manchmal den erfreulichen Moment, da ich mit einem Text zufrieden bin.

Vielen Dank, lieber Martin, für deine Antworten und deine Zeit!

Hier gelangt ihr zum Erzählband „Zwischenhalt Erde“ von Martin Knuth.

Und hier erfahrt ihr mehr über das Literaturstipendium Raniser Debüt.

Insta-Live Lesung und Gespräch mit Martin Knuth: Samstag, 06.02. um 16 Uhr

Martin Knuth liest am Samstag um 16 Uhr live auf meinem Instagramaccount @fraupastell für uns aus „Zwischenhalt Erde“. Anschließend spreche ich mit Martin bei einer entspannten Tasse Kaffee über seine Geschichten, das Schreiben und dies und das. Ein Exemplar seines Erzählbandes könnt ihr übrigens aktuell auf meiner Instagramseite gewinnen (das Gewinnspiel geht bis zum 05.02.).

Hier gehts zur Themenwoche Kurzgeschichten und zu meiner Rezension von „Zwischenhalt Erde“

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