Themenwoche

Astrid Lindgren

Letztes Jahr gab es auf meiner Instagramseite eine große Themenwoche mit ganz vielen Infos und Geschichten rund um die berühmte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Hier sammle ich nun nochmal alle Beiträge, Fotos und Gedanken zur Woche in einem digitalen Album zum Schmökern, Inspirieren und Erinnern. Am Ende des Beitrags erwartet euch ein Astrid Lindgren Quiz, mit dem ihr eure Kenntnisse über die berühmte Autorin unter Beweis stellen könnt!

Astrids Kindheit auf Näs

“Zweierlei hatten wir, das unsere Kindheit zu dem gemacht hat, was sie gewesen ist – Geborgenheit und Freiheit. Wir fühlten uns geborgen bei diesen Eltern, die einander so zugetan waren und stets Zeit für uns hatten, wenn wir sie brauchten, uns im übrigen aber frei und unbeschwert auf dem wunderbaren Spielplatz, den wir in dem Näs unserer Kindheit besaßen, herumtollen ließen.”

“Das entschwundene Land” von Astrid Lindgren

Astrid Anna Emilia Ericsson (später Lindgren) wurde am 14. November 1907 auf dem Bauernhof Näs bei Vimmerby in Schweden geboren. Sie hat einen älteren Bruder und zwei jüngere Schwestern, mit denen sie sich ihr Leben verbunden fühlte (im Alter telefoniert Astrid täglich mit ihren Schwestern, mit einer morgens und mit der anderen abends). Bereits mit 13 Jahren zeigt sich ihr schriftstellerisches Talent in ihren Schulaufsätzen, von denen einer sogar in der Vimmerbyer Zeitung erschien. Er beginnt so: “Es ist ein schöner Augustmorgen. Die Sonne ist gerade aufgegangen, und die Astern, die in einem Beet mitten auf dem Hofplatz wachsen, heben ihre tauschweren Köpfe. Es ist so still, so still auf dem Hof.”

Im Alter von 16 Jahren lässt Astrid sich die Haare kurz schneiden – im kleinen Dorf Vimmerby zu der Zeit eine kleine Sensation: “Es kam vor, dass Leute, denen ich auf der Straße begegnete, zu mir kamen und mich baten, den Hut abzunehmen und meine Kurzhaarfrisur zu zeigen.” Mit ihrem burschikosen Auftreten trat sie schon damals für ein modernes und gleichberechtigtes Bild der Frau ein. Ihre Familie nahm die neue Frisur hingegen eher skeptisch auf: “Niemand sagte ein Wort, sie gingen nur schweigend um mich herum.”

Quellen:
Astrid Lindgren, Das entschwundene Land
Oetinger Lesebuch, Besuch bei Astrid Lindgren
Jens Andersen, Astrid Lindgren: Ihr Leben

Das abrupte Ende ihrer Jugend

1924 wurde Astrid Ericsson mit 16 Jahren vom Chefredakteur Reinhold Blomberg bei der Vimmerby Tidning, einer Zeitung, als Voluntärin angestellt. Mit 18 Jahren geschah etwas, womit Astrid nicht gerechnet und was ihrer journalistischen Karriere ein vorläufiges Ende bereitete: Sie wurde schwanger und zwar von ihrem Chefredakteur Blomberg, einem Mann von fast 50 Jahren, der gerade mitten in seiner zweiten Scheidung steckt. Zur damaligen Zeit galt es als große Schande, als unverheiratete junge Frau ein Kind zur Welt zu bekommen, also musste Astrid Vimmerby verlassen, um ihre Schwangerschaft zu verbergen. Sie bezieht im September 1926 eine winzige Wohnung in Stockholm und beginnt eine Ausbildung als Sekretärin. Ihren Sohn Lasse hat Astrid in Dänemark anonym auf die Welt gebracht, denn allein dort gab es ein Hospital, in dem Vater und Mutter nicht in den Taufschein eingetragen werden mussten. In der Nähe von Kopenhagen findet Astrid auch eine Pflegemutter für den kleinen Lasse, der hier die ersten drei Jahre seines Lebens verbringen wird. Astrid beendet die Sekretärinnenausbildung in Stockholm, aber ihr Leben ist durchzogen von einer tiefen Melancholie und Traurigkeit. Sie vermisst ihr Kind, das sie nicht bei sich haben kann und spart jedes Bisschen, um sich an einigen Wochenenden in den Zug nach Kopenhagen zu setzen. Den Vater des Kindes hat sie nicht geheiratet, auch wenn er es gerne gewollt hätte, aber er war während ihrer gesamten Schwangerschaft und darüber hinaus mit dem Scheidungsverfahren seiner früheren Frau beschäftigt und wollte Astrids Kind unter allen Umständen geheimhalten. Dies misslang ihm jedoch und er wurde wegen Ehebruchs zu einem größeren Geldbetrag und zur Übernahme der Verfahrenskosten verurteilt.
1930 nimmt Astrid ihren Sohn schließlich zu sich nach Kopenhagen. Astrids Eltern akzeptieren Lasse anfangs nur schwer, das Verhältnis wird durch einen längeren Aufenthalt Lasses auf Näs herzlicher.
1931 heiratet Astrid schließlich Sture Lindgren, den Direktor eines Automobilclubs, für den sie als Sekretärin gearbeitet hat. Sie bekommt ein zweites Kind, ein Mädchen namens Karin.

Pippi Långstrump

Pippi Långstrump (Schweden), Pippi Langströmpe (Dänemark), Pippi Longstocking (England), Fifi Brindacier (Frankreich), Pippi Mediaslarga (Portugal), Fizia Pończoszanke (Polen)…
Pippi Langstrumpf wurde in über 75 Sprachen übersetzt und ist die weltweit bekannteste Figur Astrid Lindgrens. Aber wie ist sie überhaupt entstanden?

Alles fing mit einer Frage an. Mit sieben Jahren fragte Astrids Tochter Karin ihre Mama, ob sie ihr nicht etwas erzählen könnte. “Jaa… aber was?”, fragte Astrid ihre Tochter. “Na… von Pippi Langstrumpf.”
Den Namen hat sich Karin einfach so ausgedacht, weil sie ihre Mutter zum Erzählen bringen wollte. “Na ja, und weil der Name so verrückt klang, dachte ich, es müßte auch um ein verrücktes Mädchen gehen. Und dann fing ich an zu erzählen. Von Pippi. Und der Villa Kunterbunt. Und von dem Pferd auf der Veranda…” (Zitate aus dem Buch “Besuch bei Astrid Lindgren”, Oetinger Lesebuch).

Wie aus den Geschichten nun die Bücher wurden? Das geschah drei Jahre später durch eine Sturz im Schnee. Ja, richtig gelesen. Durch einen Sturz. Es war tiefster Winter in Stockholm und Astrid rutsche auf dem vereisten Gehweg im Vasapark (der vor ihrer Haustür in der Dalagata in Stockholm lag) aus. Ihr Fuss war verstaucht und sie musste ihn 14 Tage lang ruhig halten. “Da kam mir die Idee, ich könnte diese Geschichten über Pippi aufschreiben. Und dann könnte ich sie in einen hübschen Ordner legen und Karin zum zehnten Geburtstag schenken” (Astrid Lindgren in “Besuch bei Astrid Lindgren”).

Dieser Sturz war wohl das Beste, was ihr passiert ist, denn wer weiß, ob es ohne ihn jemals ein Buch von Astrid Lindgren gegeben hätte? Der erste Verlag, an den Astrid das Pippi-Manuskript schickte, hat es übrigens abgelehnt: es sei ihnen zu verrückt!

Astrid Lindgren schrieb dann erstmal eine ganz neue Geschichte: “Britt-Mari erleichtert ihr Herz”. Dieses Buch gewann den zweiten Platz im Preisausschreiben des Rabén & Sjögren Verlags für das beste Jugendbuch 1944. Im nächsten Jahr schickte Astrid dann ihr Buch “Pippi Langstrumpf” an das gleiche Preisausschreiben und gewann den ersten Preis!


Was hat das Buch eigentlich so berühmt gemacht?

Im Herbst 1945 erschienen, musste Astrid Lindgrens Kinderbuchfigur mit dem ulkigen Namen “Pippi Langstrumpf” im quitschgelben Einband wohl für Stimmung nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gesorgt haben. Nach sechs elendigen Jahren voller Krieg und Angst wirkte das stärkste Mädchen der Welt wie ein Befreiungschlag auf Schweden und die ganze Welt.

Pippi Langstrumpf: Stark, laut und kunterbunt! In einer ihrer zahlreichen Abenteuer geht Pippi mit Thomas und Annika in den Zirkus. Bei der Vorstellung mischt Pippi in der Manege ordentlich mit und fordert den “starken Adolf”, den stärksten Mann der Welt, zu einem Kräftemessen heraus. Natürlich gewinnt sie mit Leichtigkeit und treibt obendrein ihre Späße mit dem starken Adolf, der sich zum Schluss, so schnell er kann, davonmacht.

Es ist wohl kein reiner Zufall, dass Astrid so kurz nach Kriegsende den vermeintlich stärksten Mann der Welt Adolf nennt. Wie befreiend muss es sich angefühlt haben, als die Menschen den starken Adolf so besiegt und veralbert gesehen haben, von einem kleinen Mädchen! Pippi Langstrumpf hat den Menschen das Lachen zurückgebracht und die Zuversicht, dass letztendlich das Gute über das Böse siegt.

“Niemals würde ich ein Buch schreiben!”

“Niemals würde ich ein Buch schreiben!”, sagte Astrid Lindgren sich als Kind (Lindgren, Das entschwundene Land). Bereits in ihrer Schulzeit zeigte sich ihr schriftstellerisches Talent in ihren Schulaufsätzen. Einer von ihnen schaffte es sogar in die Zeitung. Aber Schriftstellerin werden, das wollte sie nicht, denn sie hielt sich “nicht für berufen, den Bücherstapel noch höher anwachsen zu lassen” (ebd.).

Diesen Vorsatz konnte sie nicht eingehalten, sie eine der bekanntesten Kinderbuchautorinnen der Welt. Ihr erstes Buch schrieb sie allerdings erst mit 36 Jahren, als sie im Schnee hinfiel, sich den Fuß verstauchte und für zwei Wochen ans Bett gefesselt war. So schrieb sie Pippi Langstrumpf, deren Abenteuer sie ihren Kindern schon häufig mündlich erzählt hatte.

“Ich schreibe wieder und wieder um und reiße Blätter ab und schmeiße sie weg und schreibe neu, bis ich jeden einzelnen Satz genauso habe, wie ich ihn haben will.” (sagt Astrid über ihren Schreibprozess, aus “Astrid Lindgren: Ihr Leben)
Als ausgebildete Sekretärin beherrschte sie die Stenographie perfekt und schrieb ihre Bücher in dieser Schnellschrift. So konnte sie ihre Einfälle deutlich schneller als in normaler Schrift aufs Papier bringen. Die fertigen Seiten mussten dann nur noch mit der Schreibmaschine abgetippt werden. Diesen Schreibstil hielt sie auch für das Schreiben ihrer späteren Werke bei. Insgesamt 660 Stenogrammblöcke voller Buchentwürfe finden sich heute von ihr im Archiv der Königlichen Bibliothek in Schweden.

Am liebsten schrieb sie frühmorgens, oft schon um 5 Uhr, in ihrem Bett. Um diese Zeit konnte sie noch ganz für sich sein und die Ruhe genießen. Es kamen ihr oft so viele Einfälle in den Sinn, dass sie kaum mit dem Stenographieren hinterher kam.

“Wie muss ein gutes Kinderbuch sein? Falls du mich fragst, so könnte ich dir nach reiflicher Überlegung nur antworten: Es muss gut sein. Ich versichere dir, daß ich lange und gründlich darüber nachgedacht habe, aber keine andere Antwort darauf weiß, als: Es muß gut sein.” (Astrid Lindgren in “Das entschwundene Land”)

Michel aus Lönneberga

“Auch Michel in Lönneberga war zuerst nur ein Name, nur so schnell dahingesagt, um einen kleinen Schreihals zum Schweigen zu bringen – ‘Rate mal, was Michel in Lönneberga einmal gemacht hat?’ Und da verstummte der Schreihals, denn natürlich wollte er unbedingt wissen, was denn dieser Michel in Lönneberga angestellt hatte. Wer dieser Michel war, davon hatte ich selber noch keine Ahnung, und es war mir lange Zeit auch ganz gleichgültig. Urplötzlich aber, ohne daß ich wußte wie, kam Leben in den Schlingel, und er fing mit seinem Unfug an und war nicht mehr zu bändigen.” (Astrid Lindgren in “Das entschwundene Land)

Der Schreihals war übrigens Karl-Johan, der Enkel von Astrid Lindgren, Sohn ihrer Tochter Karin. So entstand auch Michel, wie schon Pippi Langstrumpf, aus einem Namen heraus. Die Streiche Michels stammen zum Teil aus den Kindheitserinnerungen von Astrids Vater Samuel August, sowie von ihren eigenen Kindheitserinnerungen mit ihrem Bruder Gunnar. Dieser ist als Junge einmal aufs Dach geklettert. “Komm da runter, Gunnar”, rief der Vater Samuel und Gunnar gehorchte. Zehn Minuten später saß Gunnar jedoch wieder auf dem Dach und rief seinem Vater zu: “Du hast nicht gesagt, dass ich nicht wieder hinaufklettern darf!”
(aus Astrid Lindgren: Ihr Leben, von Jens Andersen).

Kennt ihr noch Lukas, das Pferd, das Michel auf einem Markt durch eine geschickte Wette gewonnen hat? Woher Astrid diese Idee nur hatte?
“Einmal hatten wir einen Hengst, den keiner beschlagen konnte, weil er keinen an seine Beine heranließ. Bis Pelle (der Pferdeknecht, Anm. d. Verf.) auf den Trick kam. Er begriff, daß der Hengst kitzelig an den Hinterbeinen war, und packte ihn deshalb direkt am Huf, und da stand der Hengst still und ließ sich geduldig beschlagen. (Diese Geschichte muß dem Michel in Lönneberga zu Ohren gekommen sein!)”
(Astrid Lindgren, Das entschwundene Land)

Im schwedischen Original heißt Michel übrigens Emil. Bei der deutschen Übersetzung hat man den Namen in Michel geändert, um einer Verwechslung mit dem Kinderbuch “Emil und die Detektive” von Erich Kästner vorzubeugen.

“Mio, mein Mio”

“Ich stellte mir vor, dass überall dort, wo Licht war, Kinder mit ihren Vätern und Müttern beisammensaßen. Nur ich, ich, ich saß hier draußen im Dunkeln. Allein.”

Viele Figuren Astrid Lindgrens, wie der kleine Bosse in “Mio, mein Mio”, sind einsame oder verlassene Kinder, oft wachsen sie ohne Eltern auf, wie Pippi Langstrumpf, oder grenzen sich, wie in Ronja Räubertochter, selbst von ihren Eltern ab.

Astrid Lindgren war selbst gerne alleine und liebte die Einsamkeit der Natur: “Ich bin unendlich gern allein. Noch nie fand ich einen Gesellschafter, der so gesellig war wie die Einsamkeit. Wir sind meist einsamer, wenn wir unter Menschen gehen, statt in unserem Zimmer zu bleiben.”

In ihren Kinderbüchern bringt sie die Themen Einsamkeit, Verlassenwerden und auch den Tod zur Sprache. Die Trauer und das Dunkle gehören für sie genauso zum Leben dazu wie das Helle und Fröhliche. In “Mio, mein Mio” stehen die schwarzen und weißen Vögel sinnbildlich für diese zwei untrennbar verbundenen Seiten des Lebens:

“Die weißen Vögel waren in ihre Nester gekrochen. Aber in der Spitze der höchsten Silberpappel saß Trauervogel und sang ganz alleine. Ich weiß nicht, wovon er jetzt sang, da alle geraubten Kinder nach Hause gekommen waren. Aber ich glaube, Trauervogel hat wohl immer etwas, wovon er singen kann.”

Ihr Werk “Mio, mein Mio” ist von einer tiefen Melancholie und Schwere durchtränkt. “Wenn nur der Tod nicht so schwer wäre und wir nicht so klein und einsam”, lässt sie den kleinen Bosse alias Mio im finsteren Kerker des bösen Ritter Katos seufzen. An diesem Buch schreibt sie zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes Sture Lindgren, der der Alkoholsucht erlag. Hier verleiht sie ihrer Trauer Ausdruck, ohne sich jedoch in ihm zu verlieren. “Dass die Vögel der Trauer über deinem Haupte fliegen, kannst du nicht ändern. Aber du kannst verhindern, dass sie Nester in deinem Haar bauen”, schrieb Astrid 1959 an eine Freundin.

Auch der Trauervogel in Mio, mein Mio ist ein fester Bestandteil der Welt, selbst nachdem das Böse besiegt ward, sang er doch jeden Abend sein trauriges Lied. Aber man kann sich sicher sein, dass auch nach den schwierigsten Zeiten wieder ein neuer Tag beginnt.

Ferien auf Saltkrokan

Ferien auf Saltkrokan unterscheidet sich von ihren anderen Büchern in einem interessanten Punkt: Zuerst gab es den Film, dann erst das Buch.
1962 wurde Astrid Lindgren gefragt, ob sie ein Drehbuch zu einer Fernsehserie schreiben könne, die aus dreizehn Folgen und einer Laufzeit von insgesamt sechs Stunden bestehen sollte. Als Drehort wurde eine kleine Schäreninsel namens Norröra innder Nähe von Furusund ausgewählt. Im Film heißt sie Saltkråkan, was übersetzt Salzkrähe bedeutet. Der Name stammt von einem Segelboot, das der Familie Lindgren gehörte (Astrid gehörten ein paar Häuser auf Furusund, wo sie in den 60ern die Sommermonate verbrachte).

Der Produktionplan für den Film war so eng getaktet, dass die Dreharbeiten schon beginnen mussten, bevor Astrid überhaupt mit dem Drehbuch fertig war. Sie musste einige Szenen, die in den Wintermonaten spielen sollten, vorziehen.

In einer Szene im Film zitiert Melcher Melcherssen die Worte: “Dieser Tag, ein Leben.” Der Satz stammt vom schwedischen Dichter Thomas Thorild und ist der jungen Astrid mit 17 Jahren beim Besuch einer bekannten Schriefstellerin stark im Gedächtnis geblieben. “Man soll auf jeden einzelnen Augenblick achtgeben und spüren, dass man wirklich lebt.”, erklärt Onkel Melcher seinen Kindern.

Auffällig zur damaligen Zeit ist die gleichberechtigte und freie Stellung des Kindes, die von den Erwachsenen ernst genommen werden und doch auf der Insel große Freiheit genießen. Auch der Tod wird nicht außen vorgelassen, sondern als natürlicher Teil des Kreislaufes erklärt. Als Pelles Kaninchen Jocke stirbt, sagt seine große Schwester Malin zu ihm: “So ist es im Leben, siehst du. Manchmal ist es schwer. Sogar kleine Kinder, sogar ein kleiner Junge wie du muß so etwas durchmachen, was weh tut, und da muß man ganz allein hindurch.”

Das Buch zum Film schrieb Astrid Lindgren dann im Anschluss an den Film. Es ist mit 270 Seiten ihr längstes Buch und lässt sich auch als Erwachsener sehr schön lesen.

Niemals Gewalt – Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Astrid Lindgren gewann viele Literaturpreise. Neben dem Internationalen Jugendbuchpreis, der Hans-Christian-Andersen-Medaille und dem Schwedischen Staatspreis für Literatur wurde ihr 1978 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels als erste Kinderbuchautorin überreicht.

Ihre Dankesrede hat sie im Vorfeld den Veranstaltern (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) geschickt, der sie mit den Worten, sie solle ich “kurz und gut” bedanken, an sie zurückschicken. Das ließ Astrid nicht auf sich sitzen und bestand darauf, ihre Rede in voller Länge halten zu dürfen, ansonsten sei sie bei der Preisverleihung krank und ein Vertreter könne sich dann “kurz und gut” bedanken. Daraufhin lenkte der Veranstalter ein und Astrid durfte ihre Rede halten, in der sie sich gegen Gewalt an Kindern ausspricht. Es ist eine ihrer bekanntesten Reden und weckte große Aufmerksamkeit, wenn man bedenkt, dass in Deutschland die körperliche Bestrafung in der Kindererziehung bis zum Jahr 2000 gesetzlich erlaubt war. In ihrer Dankesrede appelliert Astrid Lindgren für eine gewaltfreie Erziehung und einen liebevollen Umgang mit Kindern.

“Ob ein Kind zu einem warmherzigen, offenen und vertrauensvollen Menschen mit Sinn für das Gemeinwohl heranwächst oder aber zu einem gefühlskalten, destruktiven, egoistischen Menschen, das entscheiden die, denen das Kind in dieser Welt anvertraut ist, je nachdem, ob sie ihm zeigen, was Liebe ist, oder aber dies nicht tun.”

(Aus ihrer Dankesrede “Niemals Gewalt!” mit einem schönen Vorwort von Dunja Halali)
Astrid Lindgren starb am 28. Januar 2002 im Alter von 94 Jahren in ihrem Bett in Vasastan. Vor ihrer Tür versammelten sich zahlreiche Stockholmer, legten Blumen nieder und nahmen Anteil. Unter ihnen auch die ABBA-Ikone Björn Ulvaeus. Die Trauerfeier fand am Weltfrauentrag, am 8. März mit dem Ministerpräsidenten, der königlichen Familie und 100.000 Bürgern statt. In ihren Werken lebt sie weiter.

Quellen:
Astrid Lindgren: Ihr Leben von Jens Andersen
Niemals Gewalt, Dankesrede von Astrid Lindgren
Gebt uns Bücher – gebt uns Flügel, Oetinger Almanach 1978

Autobiographische Bücher von und über Astrid Lindgren

1. Astrid Lindgren: Ihr Leben von Jens Andersen (aus dem Dänischen von Ulrich Sinnenberg, erschienen 2017 im Pantheon Verlag)

Dieses Werk ist mit knapp 450 Seiten eine sehr umfangreiche Biographie Astrid Lindgrens. Hier findet man alles über die berühmte Kinderbuchautorin, was das Herz begehrt. Von der Geburt, ihren Eltern, über die schwierige Jugend und ihr erstes Kind bis hin zu ihrem Welterfolg und ihr politisches Engagement in späteren Jahren. Besonders gut haben mir die vielen Zitate von Astrid Lindgren in ihren Briefen und Gesprächen gefallen, das macht das Buch besonders authentisch und nah an der Autorin. Man erfährt so viel, was man nicht wusste, allerdings ist das Werk nicht für den schnellen Verzehr geeignet. Es braucht Zeit, sich in die Welt Astrid Lindgrens einzulesen und alle Infos aufzunehmen. Für einen schnellen Überblick empfehle ich eher die beiden anderen Werke. Schön wäre auch eine Übersichtstafel über ihre Lebensabschnitte gewesen.

2. Das entschwundene Land von Astrid Lindgren (aus dem Schwedischen von Anna-Liese Kornitzky, erschienen 1977 im Oetinger Verlag)

In diesem Buch erzählt Astrid Lindgren selbst über die Liebesgeschichte ihrer Eltern, ihre Kindheit und gibt am Ende ein paar Einblicke in ihren Schreibprozess.
Mit 103 Seiten deutlich kürzer als die umfassende Biographie, dafür erfährt man hier natürlich nicht alles über ihr Leben. Der Fokus liegt ganz klar auf ihrer Kindheit, aber besonders schön ist es zu erfahren, wie sie selbst zum Lesen und zum Schreiben kam. Da die Autobiographie von Astrid Lindgren selbst geschrieben wurde, kann ich es jedem nur wärmstens empfehlen.

3. Besuch bei Astrid Lindgren mit einer Biographie von Kerstin Ljunggren, Oetinger Lesebuch Sonderausgabe 1992/93

In dieser kompakten Biographie erfahren wir auf gut 100 Seiten viel über den Wohnort Astrid Lindgrens, ihren Schreiballtag und den Ideen zu ihren Figuren. Es sind ebenfalls einige Abbildungen aus ihrer Wohnung zu sehen, Bilder von ihr und Illustrationen aus ihren Büchern. Auch hier kommt Astrid Lindgren oft in Zitaten selbst zu Wort, was mir sehr gut gefallen hat. Ein weiterer Pluspunkt ist die Zeittafel am Ende des Buches mit einer Übersichtstabelle über die wichtigsten Stationen in ihrem Leben.

Jedes der drei heute vorgestellten Werke hat mir sehr gut gefallen, alle erzählen ihre Geschichte auf ihre Weise und je nachdem, was und wie viel man über Astrid Lindgren erfahren möchte, sollte man zu einem passenden Buch greifen. Vielleicht kennt ihr eins der Werke ja auch bereits oder habt noch weitere Tipps?

#astridlindgrenwoche – Eure Beiträge

Danke für eure wunderschönen Kindheitserinnerungen zur #astridlindgrenwoche !

Astrid Lindgren Quiz:

5

Astrid Lindgren Quiz

Wie gut kennst du Astrid Lindgren? Teste dein Wissen im Astrid-Lindgren-Quiz!

1 / 8

Wann und wo wurde Astrid Lindgren geboren?

2 / 8

Welche damals sehr auffällige Frisur trug Astrid seit ihrer Jugend?

3 / 8

Welches Ereignis hat ihr Leben mit 18 Jahren schlagartig verändert?

4 / 8

Welches ihrer Bücher machte sie mit einem Schlag berühmt?

5 / 8

In wie viele Sprachen wurde Pippi Langstrumpf übersetzt?

6 / 8

Was sagte Astrid Lindgren als Kind über sich?

7 / 8

Wer steckte seinen Kopf in eine Suppenschüssel?

8 / 8

Hatte Astrid Lindgren selbst Kinder?

Prozentzahl richtiger Antworten:

The average score is 85%

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2 Kommentare

    • Frau Pastell

      Hallo liebe Olha,
      vielen Dank! Astrid Lindgren hat ein Buch geschrieben über ihre Kindheit auf Näs, wie sich ihre Eltern kennengelernt haben und wie sie auch selbst zum Schreiben kam. Das Buch heißt “Das entschwundene Land”. Sie hat auch Tagebuch geschrieben, auch über ihr Erleben des Krieges und ihren Alltag, die Sammlung der Tagebucheintragungen heißt “Die Menschheit hat den Verstand verloren: Tagebücher 1939–1945” von Astrid Lindgren. Das habe ich noch nicht gelesen, möchte es aber noch unbedingt!
      Liebe Grüße
      Sandra

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