Rezension

Alice im Wunderland – Wie alles begann

„Ich erinnere mich deutlich daran… wie ich, in einem verzweifelten Versuch, eine neue Form der Märchenerzählung zu finden, meine Heldin, für den Anfang, einen Kaninchenbau hinabfallen ließ, ohne die geringste Vorstellung, was danach passieren sollte.“

Charles Dodgson, 1887

Dieses Zitat habe ich dem Sachbuch“ Alice im Wunderland, Wie alles begann“ von Peter Hunt entnommen. Charles Lutwidge Dodgson? Die meisten von euch kennen ihn wohl eher unter seinem Pseudonym Lewis Carroll.

Charles Dodgson alias Lewis Carroll war Mathematikdozent aus Oxford, der mit 33 Jahren ein ausgesprochen erfolgreiches und bis heute sehr bekanntes Kinderbuch schrieb: Alice im Wunderland.

„Wenn man von den eigentlich zu jeder Zeit sehr soliden Verkaufszahlen für ‚personalisierte‘ Kinderbücher ausgeht, so dürfte Alice Liddell entzückt gewesen sein, als sie im Alter von zwölf Jahren ‚Alice Adventures Under Ground‘ erhielt – ein handgeschriebenes und -illustriertes Buch, in dem sie selbst die Hauptfigur war.“

Peter Hunt, Alice in Wunderland, wie alles begann

Alice Liddell war die Tochter einer einflussreichen und damals bekannten Persönlichkeit in Oxford, des Dekans Henry Liddell und gleichzeitig Vorbild für die Figur der Alice in Lewis Carrolls Geschichte. Entstanden sein soll die Geschichte um Alice im Wunderland an einem sonnigen Nachmittag während einer Bootsfahrt, die Lewis Carroll alias Charles Dodgson (wie der Autor in Wirklichkeit hieß) und ein Kommilitone mit den drei Töchtern des Dekans Liddell unternahm.
In Wahrheit wird die Geschichte um Alice wohl nicht an nur einem Nachmittag erfunden worden sein, aber diese Entstehungsgeschichte zeichnet ein so idyllisches Bild, dass sie selbst vom Autor gerne benutzt wurde.

 Wusstet ihr, dass die Alice-Bücher auch als Nonsens-Romane bezeichnet werden? Im Vergleich zu den meisten Kinderbüchern der damaligen Zeit war Alice in Wunderland nämlich nicht darauf aus, zu belehren oder Kindern eine bestimmte Moralvorstellung beizubringen: „Wir haben es hier mit Büchern zu tun, in denen ein erstaunlich beweglicher, komplexer und spielerischer Geist unmittelbar und empathisch mit seinem Publikum kommuniziert.“ (Peter Hunt, Alice – wie alles begann).

Ein Buch auf Augenhöhe mit seinen Leserinnen und Lesern, kurios und doch seltsan ernst, wie die folgende Textstelle aus ‚Hinter den Spiegeln‘ sehr schön zeigt:

„Du bist traurig“, sagte der Ritter mit besorgter Stimme. „Ich will dir ein Lied vorsingen, um dich zu trösten.“
„Ist es sehr lang“, fragte Alice, denn ihr waren an diesem Tag schon sehr viele Gedichte vorgetragen worden.
„Lang vielleicht“, sagte der Ritter, „aber sehr, sehr schön. Jedem kommen dabei entweder die Tränen oder – „
„Oder was?“ fragte Alice, denn der Ritter war plötzlich verstummt.
„Oder auch nicht“, sagte der Ritter.

Lewis Carroll, Hinter den Spiegeln

Link zum Buch: https://www.wbg-wissenverbindet.de/shop/35006/die-erfindung-von-alice-im-wunderland

Das Buch habe ich als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag gestellt bekommen. Herzlichen Dank dafür.

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