Rezension

Spurensuche im Vater-Sohn-Roadtrip-Stil: Zu den Elefanten – Peter Karoshi

Mit freundlichem Dank an das Model Huskymix Calina 😉

Spurensuche im Vater-Sohn-Roadtrip-Stil

„Zu den Elefanten“ ist das zweite Buch des österreichischen Autors Peter Karoshi. Nach einer 12-jährigen Pause hat sich der Autor an sein zweites Werk gemacht und ist damit 2021 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises gelandet.

Der Roman handelt von einer Vater-Sohn-Reise auf den Spuren eines historischen Ereignisses: Im 16. Jahrhundert schenkte der portugiesische König Johann III. seinem Neffen und Erzherzog von Österreich Maximilian einen Elefanten mit Namen Soliman als diplomatisches Präsent. Als erster Elefant in Wien erregte das fremde Tier auf seiner Reise von Portugal nach Österreich sehr viel Aufmerksamkeit und wurde bald zum Namensträger vieler Hotels und Gaststätten. Theo begibt sich auf die Spuren des Tieres und geht den Weg des Elefanten in umgekehrter Richtung von Wien nach Portugal mit seinem Sohn. So zumindest der Plan. Doch schnell stößt das Vater-Sohn-Duo auf Schwierigkeiten.

„Die Herrscher, oder der Elefant selbst, sie interessierten mich nicht so sehr, wie ihre Träger und Bewahrer in den folgenden Jahrhunderten. Es waren meine, unsere, Gedächtnisstützen, die mir entscheidend für das Verständnis eines Ereignisses erschienen.

Karoshi, Zu den Elefanten, S. 29.

Zukunft – Vergangenheit – Selbstfindung

Theo ist mit seinem Leben unzufrieden. Eine Reise auf den Spuren des Elefanten Soliman soll seinem Leben einen neuen Sinn einverleiben.

„Schon jetzt freute ich mich auf den Moment, in dem ich eine kurze erste Ruhe finden würde. Ich legte den rechten Arm um Moritz, wollte ihn beruhigen, aber ich war es, der beruhigt werden musste.“

Karoshi, Zu den elefanten, S. 55.

Die gewünschte Ruhe tritt allerdings nicht ein. Bereits in der ersten Nacht macht sich Theos Sohn Moritz alleine auf und davon und für Theo beginnt eine wilde und immer surrealer werdende Hetzjagd. Schon bald weiß man nicht mal mehr, ob der Sohn neun oder neunzehn Jahre alt ist – vielleicht ein verzweifeltes An-die-Vergangenheit-Klammern eines Vaters, der seinen Sohn auf dem Weg ins Erwachsenwerden nicht loslassen kann?

„Ich wollte den schönen Moment bewahren, ihn vorbereitend für Erinnerungen später einmal bei mir behalten.“

Karoshi, Zu den Elefanten, S. 82.

Erinnerungen behalten, Momente bewahren… Theo vergisst zwischen Vergangenheit und Zukunft etwas Essenzielles: Die Gegenwart. Und so hat man während des gesamten Romans das Gefühl, dass Theo trotz seiner ach so tiefgründigen Reflexionen und Gedankengänge am Leben vorbeilebt. Er vergisst zu leben.

„Aber alle diese Erkenntnisse lassen auf sich warten, nie sind sie im Moment, wo es notwendig wäre, abrufbar gewesen. Immer erst später und immer erst im Akt des Niederschreibens der Erinnerungen überrollt mich eine Welle der Rührung.“

Karoshi, Zu den Elefanten, S. 91.

Wie man nicht zu sich selbst findet…

Peter Karoshi beschreibt mit seinem Roman den umgekehrten Weg des Elefanten Soliman und so scheint auch die Hauptfigur Theo auf den Spuren des Elefanten immer mehr in die verkehrte Richtung zu laufen und zeigt dabei auf anschauliche und teils skurril-kuriose Weise, wie man nicht zu sich selbst findet. Die tagebuchartige Blogform, in der der Roman geschrieben ist, ist dabei allerdings gut gewählt.

Um meine Meinung zum Buch auf den Punkt zu bringen: Theo nervt und verwirrt, aber man kann durch ihn viel über sich selbst lernen.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.