Literaturpreise,  Rezension

#debütpreisbloggen 5/5 – Schatten über den Brettern von David Misch

*Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Duotincta Verlag zur Verfügung gestellt.

„Kurz blitzte es in meinem Kopf auf, wie sehr ich mich diesen Brettern verbunden fühlte, und dass sie eine Brücke formten zwischen dem, was war, dem was ist und dem was sein wird. Dass diese Brücke damals schon morsch zu werden begann, das wusste ich natürlich nicht aus der romantischen Naivität der Zuschauerperspektive heraus.“

In David Mischs Debütroman „Schatten über den Brettern“ geht es um… ja, um was geht es eigentlich? Es geht um das Theaterspielen, um Meinungs- und künstlerische Freiheit und um eine Zukunft, die all das verbietet. Die Themen sind klar, aber die Geschichte und der Rahmen, in der sie erzählt wird, bleiben zu Beginn im Verborgenen.

Man beginnt zu lesen und befindet sich unmittelbar in einer Erzählung. Aber wessen Erzählung? Wer spricht hier? Und zu wem? „Mein Kind“, so spricht der unbekannte Erzähler plötzlich jemanden an und wir erhalten eine erste Information über die Erzählkonstellation. Und so setzt sich die Spurensuche der Leser*innen über den gesamten Roman fort. Wir folgen den Brotkrumen in einem dunklen Wald aus Erzählungen und Perspektiven, die von Kapitel zu Kapitel wechseln. Langsam wird dem Lesenden klar, dass am Ende des Romans nicht die Frage nach dem „Was ist passiert und wie verläuft die Handlung?“ steht, sondern dass man weiterliest, um am Ende herauszufinden, wer hier wem diese Geschichte erzählt.

„Das ist die erste Erinnerung an den dunklen Schatten, der in ihm wohnt. Aber die Erzählung wird ihm nicht ansatzweise gerecht, denn er ist nicht nur das brutale Monster, der Soziopath, als den sie ihn erscheinen lässt – er wird Großes leisten und man wird ihn lieben.“

Es geht um „IHN“, der im Roman nicht weiter betitelt wird und von dem man zunächst nicht genau weiß, in welcher Beziehung dieser „ER“ zum Erzähler steht. Als Leserin fiel es mir zunehmend schwerer, diesen mysteriösen ER vom Erzähler selbst zu unterscheiden. Dieses Verwirrspiel um die Identitäten der Figuren wurde für mich im Roman sehr gelungen umgesetzt.

„Einer von ihnen gefiel mir besonders. Er stach hervor durch ein kraftvolles, aber auch unendlich wandlungsfähiges Spiel. Er schränkte sich nicht ein auf bloßes Spielen während des Spielens, er war auch nie in seiner Rolle, so wie er sie auch nie verließ. Er war einfach.“

Ein sehr ungewöhnlicher und klug konstruierter Roman, der damit spielt, wer wir sind und was in uns steckt. Probleme hat mir allerdings der Erzählstil bereitet; es fiel mir unheimlich schwer, durch die teilweise sehr komplexen Worte und Sätze hindurchzuschauen und in die Erzählung einzutauchen. Immer wieder stieß ich mich an Formulierungen und gewundenen Sätzen, die mich aus meinem Lesefluss brachten.

Eine düstere Dystopie, unkonventionell in der Konstruktion, aber leider auch sehr komplex in der Sprache.

Erschienen im Duotincta Verlag.

Interessiert am Roman? Hier gehts zur Leseprobe

Zum Autor:
David Misch wurde 1985 in Wien geboren und ist promovierter Geowissenschaftler. Er fährt gerne Radrennen und veröffentlichte in diesem Kontext bereits zwei Bücher über Extremsport.

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